Schahname
Interdisziplinär Interkulturell

Vortrag, Erfahrungsbericht, Q &A, Filmausschnitt, Gespräch ...
und Ausstellung im Kreuzgang des Dominikanerklosters

Es sprechen:

Erfan Nazarahari, Autorin _ Susanna Faust-Kallenberg, Pfarrerin für Interreligiösen Dialog, Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach _ Dr. Mohammad Hakim, Öffentlichkeitsbeauftragte des Zentrums der Islamischen Kultur Frankfurt e. V.

 

Zeit: 08. Oktoberf 2021, Freitag 19.00 – 20.30 Uhr
Ort:  Dominikaner Kloster Kurt-Schumacher-Str. 23 60311 Frankfurt a. M

Zutritt nach 2G-Regel

Info: 0179 766 5415, pwkgermany@gmail.com

im Kontext der Volkslepen, Weltliteratur und mündlichen Überlieferungen, die identitätstiftende und brüchenbauend zugleich sind. 

im Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Str. 23, 60311 Frankfurt a. M.

vom 3. bis 24. Oktober 2021

Veranstalter: Punggyeong Weltkulturen e. V. 

in Kooperation mit 

Gefördert von:

Begleitende Ausstellung mit 15 Rollups

Persönlichkeitsentwicklung 

des protanogisten 

im vergleich mit anderen Epen

Schāhnāme ist ein persisches bzw. iranisches Volksepos. „Iranisch“ können wir es nennen, weil der Autor Firdausī das Wort „Irān“ verwendet hat, das allerdings ein weitaus größeres Gebiet als das des heutigen Iran beschreibt. In diesem Werk mit seinen 60.000 Versen wird die Geschichte der Welterschaffung bis zum Untergang der letzten vorislamischen Dynastie der Sassaniden im 7. Jahrhundert erzählt, von der mythischen Zeit bis über die beginnende menschliche Zivilisation bis zur mehr oder minder historischen Zeit. Firdausī, der heute noch im Iran hoch verehrte Dichter dieses Buchs, begann das Buch im Jahr 977 und beendete es um 1010. 

Die Entstehungsgeschichte des Schāhnāme ist komplex. Hier wurden Quellen und Vorlagen aus vorislamischer Zeit berücksichtigt und auch das  bereits zur Zeit der Sassaniden entstandene „Herrenbuch“ (Xwaday-namag). Es gab auch ein erstes Königsbuch (Schāhnāme-ye Mansur), das nach dem Untergang des Sassanidenreichs von Daqīqī geschrieben wurde. Firdausī selbst erzählte außerdem, dass Daqīqī ihm im Traum erschienen sei. Firdausī verwendete einige Versvorlagen aus dessen Werk. ( https://de.wikipedia.org/wiki/Schāhnāme)

 

Dass die Geschichte der alten Zeit aus der damals gegenwärtigen Perspektive erzählt wird, ist in einem interkulturellen Kontext kein Mangel. Vielmehr ist es als aufrichtiges Spiegelbild der Zeit und der Menschen wahrzunehmen. Die Erzählperspektive, die für eine Gemeinschaft wichtig ist, variiert, wie es bei mündlichen Überlieferungen überall der Fall ist. Faszinierend ist auch, dass solche Transformationen gerade die Wünsche und Träume der Bevölkerung als die Interessen der Erzähler widerspiegeln. 

 

Das gilt auch für die Rezeptionsgeschichte. Besonders in der koreanischen Islamkunde ist in allererster Linie bekannt, dass das Schāhnāme der persischen Sprache einen großen Verdienst geleistet hat. Die Sprache im Schāhnāme ist nahezu identisch mit der heutigen persischen Sprache und in der Zeit, wo die arabische Sprache zu dominieren begann, wurde so die persische Sprache gerettet. Diese Fokussierung auf die Sprache führt dann auf die historische Erfahrung Koreas zurück, wo einst die koreanische Sprache durch Fremdmächte bedroht wurde.Für die Philolog:innen ist schade, dass das älteste Manuskript des Schāhnāme erst aus der Zeit zwei Jahrhunderte nach Firdausī stammt. Aber für Leser:innen heute ändert dies nichts daran,

dass dieses Werk über die Position des Volks- bzw. Nationalepos hinaus eine in viele Sprachen übersetzte Weltliteratur ist  ­  also als eine Geschichte der Menschheit anzuerkennen ist.

Die Hoffnung, dass die Menschen aus anderen Kulturkreisen schon beim spontanen Vergleich des Schāhnāme mit Epen aus eigenen Herkunftsländern Gemeinsamkeiten finden und darüber erstaunt und erfreut sind, ist eine Intention dieser Ausstellung.

Daher folgen auch einige Bilder zu Parzifal/Perceval aus Europa und Baridegi aus Korea.

 

Text: Eun Hi Yi (Punggyeong Weltkulturen e. V.)

Vorbestimmte Geburt und

das Abenteuer des Rostam

Rostam ist ein junger Mann geworden, „groß und stark wie ein Elefant“. Dem Iran aber geht es nicht gut. Das Land war im Inneren zerrissen. Von außen drängte Afrasiab, der König von Turan, ins Land. Das Volk suchte Hilfe. Rostam war bereit, das Land gegen den Angriff der anderen zu verteidigen. Er wollte ein gutes Pferd haben. Vater Zal zeigte ihm alle Pferde aus ganzem Land. Rostam suchte ein besonderes Pferd aus. Die Hirten wollten kein Entgelt für das Pferd bekommen wünschten aber unmissverständlich, dass er das Land in Ordnung bringe.

Auf der Schlacht gegen Turan half er dem König Kai Kobad und besiegte Afrasiab von Turan. Die Turaner wurden zurückgeschlagen. Nach der Niederlage der Turaner wird Frieden geschlossen zwischen Afrasiab und Kai Kobad. Frieden und Wohlstand kehrten ins Land ein und hielten unter der Regentschaft von König Kai Kobad an.

Kai Kawus, der Sohn und Nachfolger von Kai Kobad war eigensinnig und gierig. Gegen den Rat der Edlen zog er mit der Truppe nach Mazandaran, um dies zu erorbern. Sein Übermut führte dazu, dass die meisten Iraner in Mazandaran von Dämonen und Zauberern gefangenen wurden. So verschickt Zal seinen Sohn Rostam, um die Gefangenen zu retten. Rostams Abenteuer beginnt. Ohne Heer sollte er zwei Wochen lang über Berg und Tal gehen, wo die Gefahren von Löwen, Dämonen und Dunkelheit lauern.

 
Die erste Prüfung

Rostam brach auf. Erst nach zwei Tagen und Nächten macht er Pause und ließ sein Pferd Rachsch zu Weide frei laufen. Als er eingeschlafen ist, näherte sich ein Löwe. Dieser wollte erst das Pferd angreifen und dann Rostam. Aber das Pferd Rachsch tötet den Löwen

Die zweite Prüfung

Am nächsten Tag ging er weiter. Es war ein sehr schwieriger Weg. Er  und sein Pferd waren durch die Hitze erschöpft und hatten Durst. Er betete zu Gott um Hilfe, in der Hoffnung, dass Gott seinem König Kawus hilft und Rostam dazu verhilft, die Iraner – im Auftrag Gottes – von der bösen Macht zu befreien. Schließlich fiel er durch Hitze und Durst geschwächt auf den Boden.

Da lief ein Widder an ihm vorbei. Rostam fragt sich, woher dieses Tier Wasser bekommen könnte, und erkennt darin ein mögliches Zeichen für die Gnade des Schöpfers. Er folgte den Spuren des Widders und gelangte zu einer Wasserquelle. Er dankte Gott.

Die dritte Prüfung

Die dritte Prüfung, die Rostam auf dem Weg zur Befreiung des Königs Kawus und seiner Truppe bestehen muss, wird schwieriger. Rostam und sein Pferd kämpfen nun gemeinsam mit aller Kraft und besiegen den Drachen.

Diesmal schlief Rostam auch wie bei der ersten Prüfung, wurde aber von seinem Pferd aus dem Schlaf gerissen. Er erkannte jedoch nicht gleich die lauernde Gefahr. So ärgerte er sich über sein treues und intelligentes Pferd.

Im Vergleich zur Zeit der ersten Prüfung bildet seine Haltung nun das Gegenteil. Nach der ersten Prüfung sagte er zum Pferd, als er wusste, dass es allein den Löwen besiegt hatte: Wer hat dir befohlen, mit einem Löwen zu kämpfen? Wenn du nun beim Kampf mit ihm getötet worden wärest, wie hätte ich dann diesen Panzer und diesen Helm, die doch den Kampf suchen, nach Mazandaran tragen können, und auch das Fangseil und den Bogen, die Pfeile und die schwere Keule? Wenn ich aus meinem Schlummer wach geworden wäre, dann wäre dein Kampf mir dem Löwen kurz geworden. (Reclam-Ausgabe, S. 77)

Diesmal aber schimpfte Rostam sein Pferd: „Immer holst du mich aus dem Schlaf hoch. Es drängt dich wohl danach, mich zu wecken. Aber wenn du noch einmal solchen Lärm machst, schlage ich dir die Füße ab mit meinem scharfen Schwert. Dann gehe ich zu Fuß nach Mazandaran und schleppe meinen Speer und die Wurfkeule und auch die schwere Keule selbst.“ (Reclam-Ausgabe, s. 80)

Unwissend schimpfte Rostam sein Pferd aus. Rücksichtslos. Vielleicht ist er hochmütig geworden? Oder gehört es zum Held-Werden? Der Erzähler vergisst nicht die Psychologie des klugen Pferdes Rachsch zu erwähnen. Das Pferd bekam Angst vor Rostam, aber es hielt sich eine Weile zurück, und wandte sein Herz trotzdem nicht von Rostam.

 

Als der Drachen zum dritten Mal brüllte, wachte Rostam auf und nahm den Drachen wahr. Er zog sein Schwert und verteidigte sich. Dabei half ihm sein Pferd. Mit seinen Zähnen zerbiss es dem Drachen beide Schultern. Rostam schlägt dem Drachen das Haupt vom Rumpf. Blut und Gift floss über die Erde. Schrecken ergriff ihn. Rostam rief Gottes Namen. Er ging zum Wasser und wusch sich. Dann bat er um Gottes Hilfe.

Die Zauberin
Rostam erfährt den weiteren Weg
 

Die vierte Prüfung: Rostam tötet die Zauberin.

Er ritt weiter. Die Sonne hing hoch im Himmel. Rostam sah wieder Bäume, Pflanzen und Wasser. Die Welt scheint wieder fröhlich zu sein. Die Wasserquelle, die er sah, war schön und klar wie das Auge des Fasans. Dazu sah er einen gedeckten Tisch mit Wein, gebratenem Huhn und Brot. Der goldene Weinbecher war mit Rubinen verziert.

Es war eine Falle der Zauberin. Rostam konnte dies nicht ahnen.  Becher mit Wein, einige schöne Landschaften hat aber die Zauberin vorbereitet. Die Wüste wurde wie ein großes Festsaal. An der Quelle lag eine Laute. Er griff zu und sang.

 

Unglücklich und ruhelos ist Rostam,

Für ihn sind die Tage der Freude rar.

Jedes Schlachtfeld ist sein Turnierplatz,

Wüsten und Gebirge sind sein Garten.

Immer ist er im Kampf mit Löwon und Drachen.

Von Diven und Wüsten kommt er niemals los.

Wein und Becher und duftende Rosen und

Weinschenken.

Daran hat ihm der Schöpfer keinen Anteil gegeben.

Immer ist er ihm Kampf mit Krokodilen,

Oder er kämpft gegen Panther.

(Reclam-Ausgabe S. 82-83)

Sein Lied war allzu menschlich und sprach aus seiner mühevollen Seele. Die Musik gefiel doch der Zauberin. Sie verwandelte sich in eine schöne Frau und setzte sich.

Da betete er zu Gott. Er dankte ihm, dass er in der Wüste auf dem Weg nach Mazandaran einen gedeckten Tisch vor sich hatte. Der goldene Becher, den er gerade hob, kam zwar von der Zauberin, aber Rostam dachte dabei an Gott, der den müden Helden tröstet. 

Rostam wusste nicht, dass die Zauberin neben ihm saß. Aber seine Lobpreisung und sein Dank an Gott ließen den Zauber brechen. Die Zauberin kannte weder solchen Lobpreis noch Dank und sie ertrug dies auch nicht. Als der Zauber gebrochen war, erkannte Rostam das Wesen der Zauberin und tötet sie.

Die fünfte Prüfung:

Rostam kam ins Land der Finsternis. Weder Sterne noch Mond konnte er sehen - weder Berge noch Bäche.

 

Dann kam er wieder ins Licht zurück. Vor sich sah er ein grünes Feld wie bunt bemalte Seide, fließende Bäche. Der Held war verschwitzt, wollte sich erfrischen und ausruhen. Er zog sein Panzerkleid aus Pantherfell und Helm aus und ließ diese unter Sonne trocknen. Sein Pferd Rachsch durfte nun ohne Zaumzeug über Feld und Wiese laufen. Als sein Panzerkleid und Helm wieder trocken waren, zog er diese wieder an und schlief auf der Wiese ein.

 

Als das Pferd aber auf einem bestellten Feld herumlief, protestierte ein Feldhüter bei Rostam. Aber er wurde von Rostam angegriffen und seine Ohren zerrissen. Der rannte daher zu seinem Herren Aulad und erzählt davon.

 

In der Konfrontation mit Aulad verhält sich Rostam tatsächlich wie ein Drache, den er erlegt hatte. Er sprach: „Mein Name ist ´Wolke´. Und wenn die Wolke mit dem Löwen kämpft, dann lässt sie Speere und Schwerter regnen, und den Edlen schlägt sie die Köpfe herunter. Wenn mein Name an dein Ohr gelangt, erstarrt dir der Atem deiner Seele und das Blut im Herzen.“

 

Dann zog er sein Schwert und schlug die Gefolgschaft von Aulad. „Wie ein Löwe“ griff er an, „so dass der ganze Kampfplatz von Blut und Erschlagenen zu Schlamm wurde“. Täler und Ebenen waren mit Leichen der Ritter von Aulad übersät.  Aulad wurde gefangengenommen und gefesselt.

 

Rostam verhandelte dann mit dem Gefesselten und schließlich war Aulad bereit, ihm den weiteren Weg zu zeigen. Aber Aulad mahnte, wie der Weg schwierig sei. Vor allem seien über das ganz Land Mazandaran 600.000 Mann verteilt. Rostam jedoch war siegesgewiss.

Rostam befreit seinen könig

 

Die sechste Prüfung:

 

Rostam ritt mit seinem Pferd bis zum Berge Aspruz. Hier war seinem König durch den Dämon Böses widerfahren. Von dort erblickte er Mazandaran. Er sah, dass in Mazandaran Feuer entfacht und Fackeln angezündet waren. Aulad wies darauf hin, dass gerade dort der Zugang nach Mazandaran sei. Auch Geschrei und Gebrüll war ständig zu hören. Aulad meinte, dort wohne der Dämon Arzang.

Am nächsten Morgen ritt er los. Seine legendäre Kampfkleidung mit übernatürlichen Merkmalen – unverwundbar gegen Feuer, Wasser und Waffen – wurde vom Schweiß durchtränkt.

Rostam zog in den Kampf gegen den Feldherrn Arzang und stieß inmitten seines kampfbereiten Heeres einen durchdringenden Schrei aus. Als Arzang aus seinem Zelt herauskam, ritt Rostam auf ihn zu, ergriff den Feind und riss ihm das Haupt ab. Das versetzte Arzangs Gefolgschaft in Panik und Rostam tötete ein Drittel der fliehenden Feinde.

Nach dem nächtlichen Blutbad kam Rostam bei Sonnenaufgang zurück zum Berg Aspruz und sprach mit Aulad. Dieser erklärte nun den Weg in die Stadt. Dort sei König Kawus gefangen.

Rostam traf nun in der Stadt auf den König und befreite ihn. Der König freute sich über das Wiedersehen und gab ihm aber zugleich eine neue Aufgabe. Es wies darauf hin, dass der Weiße Dämon der Anführer der kriegerischen Truppen sei, und ohne vollständige Vernichtung dieses Dämons seien alle bisherigen Bemühungen umsonst. Vor allem sollte das Blut des Weißen Dämons die Sehkraft des Königs und seiner Gefolgschaft wieder herstellen. Sie waren nämlich aus Kummer fast blind geworden.